Seit mehr als 20 Jahren besteht die Partnerschaft von Kirchengemeinden aus den Kirchenkreisen Umvoti in Südafrika und unserem Kirchenkreis. Viele Begegnungen zeugen von den Freundschaften, die zwischen den Menschen hier und da entstanden sind. Begegnung bedeutet: miteinander wohnen, an Leben der anderen Anteil nehmen, sich gemeinsam freuen, miteinander lachen und zusammen traurig sein, sich in gemeinschaftlicher Hoffnung verbunden fühlen, Angst teilen und einander verstehen.
In diesem Sinn, getragen vom gemeinsamen christlichen Glauben, leben die Menschen beider Kirchenkreise ihre Partnerschaft. Regelmäßige Reisen hierhin und dorthin ermöglichen den Kontakt und die Gemeinschaft. Getragen wird die Partnerschaft von jeweils zehn Kirchengemeinden in Georgsmarienhütte und Umvoti. In beiden Kirchenkreisen treffen sich Delegierte regelmäßig in Ausschüssen, um gemeinsame Aktionen wie Gottesdienste, Delegationsreisen, Projekte und andere Aktionen vorzubereiten.
Besonders liegt dem Ausschuss Georgsmarienhütte der Bildungsfonds am Herzen: Es wird Geld gesammelt, um Jugendlichen aus Umvoti eine Ausbildung zu ermöglichen (dabei leitet uns der Gedanke der Nachhaltigkeit: Das Geld wird zurückgezahlt, um so wiederum anderen Jugendlichen eine Ausbildung zu ermöglichen). Im Jahr 2008 war eine südafrikanische Delegation für drei Wochen zu Gast und hat sich neben des Lebens in Gemeinden und Familien schwerpunktmäßig mit dem Thema gesunde Ernährung beschäftigt.
Marie-Luise Glüsenkamp aus Bissendorf, Antje Wietzorek aus Osnabrück-Gretesch und Edith Tenbieg aus Georgsmarienhütte-Oesede wurden am Sonntag, den 10. Juli in der Lutherkirche Georgsmarienhütte als Gebetsfrauen, als abasisigazi, eingeführt. Der Superintendent des südafrikanischen Partnerkirchenkreises Umvoti in Kwa Zulu Natal, Dean Dumakude, verpflichtete die drei Frauen auf die Regeln der christlichen Gebetsfrauen. Er und Superintendentin Doris Schmidtke segneten sie für ihren Dienst in den Gemeinden der Kirchenkreise Georgsmarienhütte und Umvoti ein.
Die Gebetsfrauen, in der Sprache der Zulus abasisigazi genannt, zählen zu den ältesten, größten und dauerhaftesten Frauenorganisationen in Südafrika. In den englischsprachigen Missionskirchen hatten sich bereits an der Wende zum 20. Jahrhundert erste Prayer Unions gebildet. In den 1920er Jahren begannen afrikanische Frauen in den Gemeinden der Berliner Mission in Südafrika sich in Gebetsgruppen zu organisieren. Sie bestehen bis heute. Ihre Tätigkeit erstreckt sich von der Seelsorge bis zur Sozialarbeit, vom gemeinsamen Beten bis zur Heilung, von der Beratung bis zur gegenseitigen Hilfe, vom Spirituellen bis zur praktischen Hilfe im Alltag. Da, wo Pastoren knapp sind, leiten sie auch Gottesdienste. Die Gebetsfrauen tragen eine schwarz-weiße Tracht. Sie zahlen einen monatlichen Beitrag und fördern damit die Diakonie und die Verkündigung in ihren Gemeinden.
Die drei deutschen Frauen haben schon vor einigen Jahren ihren Beitritt zu den abasisigazi ihrer Partnergemeinden erklärt. Jetzt konnten sie verpflichtet werden, weil Superintendent Dumakude mit einer Gruppe von sieben jungen Erwachsenen für drei Wochen im Kirchenkreis Georgsmarienhütte zu Besuch ist. Der Gospelchor der Luthergemeinde unter der Leitung von Kirchenkreiskantor Stefan Bruhn gestaltete den Gottesdienst musikalisch und begeisterte auch die afrikanischen Gäste. In seiner Predigt dankte Dumakude den deutschen Gemeinden für die Unterstützung seiner Gemeinden und appellierte an die christliche Solidarität: „Den Bedürftigen das Evangelium zu predigen ist nicht genug, wenn man ihnen kein Essen und keine Kleidung geben kann. Jesus konnte die Menschen satt machen. Jesus fordert uns auf, etwas für die Armen zu tun. Gott hilft den Menschen durch andere Menschen.“
Jugendliche aus Umvoti circuit/Südafrika zu Gast im Kirchenkreis Georgsmarienhütte
Vom 26.Juni bis zum 16.Juli 2011 besuchen acht Jugendliche/junge Erwachsene unter der Leitung des Superintendenten Dean Solomon Dumakude unseren Kirchenkreis.
Damit findet die letztjährige Jugendbegegnung in Südafrika ihre Fortsetzung. Und auch inhaltlich werden wir diesen Kontakt fortsetzen: Wir wollen mit der Reisegruppe zu dem Thema „Gerechtigkeit“ arbeiten. Das ist in Deutschland eine größere Herausforderung als in Südafrika: Während in Südafrika die Probleme offensichtlich sind, haben auch wir in unserer Gesellschaft viele Aufgaben zu bewältigen, die wir möglichst gerecht lösen wollen.
Aber wie können wir beispielsweise unsere sozialen Brennpunkte mit den vorhandenen Problemen präsentieren, wenn jeder zweite Südafrikaner davon träumen würde, in so einem Umfeld (gute Bausubstanz, fließend Wasser, Strom, Auto vor der Tür usw.) zu leben?
Während des Besuches der Gruppe wollen wir uns nicht scheuen, diese Themen anzugehen. Viele unterschiedliche Aspekte wie Bildungs- und Geschlechtergerechtigkeit, Fundraising, Inklusion, diakonische Unterstützungsprojekte, Umgang mit HIV/Aids sind geplant, um gemeinsam für eine gerechtere Welt zu streiten. Ein solcher Austausch ist immer eine Herausforderung, genauso wie der Kontakt mit Menschen eines anderen Kulturkreises neue Anregungen schenkt und bereichert. Deshalb gibt es auch ausreichend Zeiten für die persönliche Begegnung.
Es gibt viele Möglichkeiten, sich an dieser Jugendbegegnung zu beteiligen:
Die Gemeinden können die Gruppe einladen und einen Programmpunkt zum Thema „Gerechtigkeit“ gestalten.
Familien/Einzelpersonen können als Gastgeber fungieren und zwei junge Erwachsene für sechs Übernachtungen zu sich einladen.
In der Zeit vom 11.-16.07. bilden wir eine „internationale Wohngemeinschaft“ in der Jugendbildungsstätte Holter Burg, in die alle Interessierten mit einziehen können.
Und dann können sich alle Interessierten natürlich an (einzelnen) Programmpunkten beteiligen.
Information und Kontakt: Anke Meckfessel, Tel: 0541-597514 oder anke.meckfessel@
kirchenkreis-georgsmarienhuette.de
Jugendbegegnung 2010 in Umvoti circuit / Südafrika
Sieben junge Erwachsene unter der Leitung von Anke Meckfessel, Berufschuldiakonin und Vorsitzende des Partnerschaftsausschusses unseres Kirchenkreises, haben die letzten drei Wochen der Sommerferien 2010 in unseren südafrikanischen Partnergemeinden verbracht.
In Südafrika ist vieles ganz anders: Während unseres Aufenthaltes war Winter. Das heißt, es ist nachts zwar sehr kalt und es gibt gerade in den höheren Regionen von Umvoti circuit regelmäßig Nachtfrost. Aber sobald die Sonne ab 8:00 Uhr morgens wieder scheint, wird es warm, sehr heiß. Winter in Südafrika heißt vor allem große Trockenheit, so dass man sparsam mit dem Wasser umgehen muss.
Die Sonne in Südafrika ist im Süden nie zu sehen. Sie zieht ihre Bahnen von West über Nord nach Ost. Das ist ein schönes Bild, dass uns und unsere südafrikanischen Partner und Freunde miteinander über tausende Kilometer Distanz verbindet: Dort, wo die Sonne tagsüber steht, sind unsere Partner und Freunde!
Denn Freundschaften wurden viele geschlossen! Untereinander in der Gruppe aus Georgsmarienhütte, aber vor allem auch mit den südafrikanischen Jugendlichen. Wir haben viel miteinander erlebt: Gemeinsam fleißig gearbeitet in Gartenprojekten, Kindergärten und Krankenhäusern, gemeinsam Gottesdienste gefeiert, zusammen getanzt, gelacht, gespielt und manchmal haben uns auch gemeinsam die Worte gefehlt. Das ist dann passiert, wenn wir erschöpft waren oder wieder etwas Trauriges gehört haben. Auch wenn wir das vorher nicht für möglich gehalten haben: Aber durch diese Erlebnisse haben wir erlebt, was Glauben bedeutet. Wir haben gemeinsam gebetet und sind sicher, dass Gott uns gehört hat!
Jetzt zu den konkreten Erlebnissen: Wir können erfolgreich melden, dass die Jugendgruppe alle zehn Partnergemeinden besucht hat und besondere Erlebnisse aus jeder Gemeinde mitgebracht hat. In Greytown haben wir einen wunderbaren Gottesdienst mit der jungen und energiegeladenen Pastorin Shange und der Gemeinde feiern dürfen. In Ehlanzeni hat eine ganze Schule sich bemüht, uns Zulutanz beizubringen. In Emakhabeleni haben wir ein sehr erfolgreiches Gartenprojekt gesehen. In Hermannsburg haben uns die vielfältigen Kirchgebäude und der außergewöhnliche Pastor beeindruckt. Otimati war ein besonderes Erlebnis für uns, weil die Kirchengemeinde intensive Gemeinwesenarbeit wie ein Aidswaisenhaus betreibt. Untunjambili war die Gemeinde, in der wir am längsten zu Gast waren: Die Gastfreundschaft in den Familien und die Projektarbeit im Garten, Kindergarten und Krankenhaus haben uns wichtige und tolle Erfahrungen beschert. Thulini haben wir als offene und freundliche Gemeinde erlebt. Uthukela ist die Gemeinde, die uns beeindruckt hat durch ihre Offenheit und offensichtliche Freude an Kontakten nach Deutschland. Umphumulo ist die größte Gemeinde in Umvoti circuit, dadurch wird die ganze Vielfalt kirchlicher Arbeit deutlich. Dort haben wir erlebt, dass die Christen im Norden und im Süden viele Probleme teilen. Und KwaDukuza ist eine Gemeinde, die in einer Kleinstadt wächst und sich als evangelische Gemeinde in der Stadt deutlich behaupten kann.
Wir haben in fast jeder Gemeinde junge Menschen getroffen, die durch den Bildungsfonds Ausbildung und Anstellung gefunden haben. Teilweise haben sie mehr als zwei Stunden Fahrt auf sich genommen, um uns zu treffen und so ihre Dankbarkeit und auch ihren Stolz über das Erreichte uns persönlich sagen zu können.
Wir haben Kinderhaushalte besucht, in denen die Jugendlichen und Kinder ganz allein für sich verantwortlich sind. Das liegt nicht an Vernachlässigung, sondern ist der Tatsache geschuldet, dass die Eltern aufgrund von AIDS verstorben sind und kein erwachsenes Familienmitglied mehr für die Kinder sorgen kann. Wir haben außerdem gelernt, dass in Umvoti circuit wahrscheinlich 60% der Menschen eine HIV-Infektion haben und sie die Medikamente nicht immer vertragen. Auch haben wir eine gewisse Müdigkeit erlebt, sich überhaupt noch mit dem Thema HIV/AIDS zu beschäftigen
Aber vor allem haben wir, die Reisenden, uns verändert: Wir haben von unseren Partnern und Freunden gelernt, dass man auch mit wenig viel aus seinem Leben machen kann und Glück nicht von den Finanzen abhängig ist. Wir haben erkannt, dass es wichtig ist, auch in schwierigen Situationen am Ball zu bleiben und die Hoffnung nicht aufzugeben. Wir haben gelernt, dass man mit seinem Besitz so umgehen muss, dass man etwas daraus machen kann – und wenn man teilt, macht das doppelt glücklich.
Und jetzt freuen wir uns, dass wir im nächsten Jahr, vom 26.06. – 16.07.2011, eine südafrikanische Jugendgruppe in unserem Kirchenkreis begrüßen dürfen. Wir freuen uns auf das Wiedersehen und auch, wenn die Jugendlichen das erfahren, was wir erlebt haben: Es gibt viele Menschen, die Interesse an anderen Menschen haben und sich dafür Zeit nehmen. Wenn Sie/ wenn du auch etwas Zeit dafür haben, melden Sie sich/ melde dich bitte im Pfarrbüro oder bei Anke Meckfessel, 0541-597514. Anfang 2011 beginnen die konkreten Planungen für den Aufenthalt hier und es wäre schön, wenn auch (junge) Menschen aus Hilter dabei sind.
Kirchenkreis Georgsmarienhütte
Kirchstr. 1
49124 Georgsmarienhütte
E-Mail: anke.meckfessel@
kirchenkreis-georgsmarienhuette.de